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So weit die Füße tragen (6) Ein Fernsehfilm in sechs Teilen nach dem Roman von Josef Martin Bauer mit Heinz Weiss (Clemens Forell), Christian Schmieder (Igor), Hans E. Schons (Iranischer Oberst), Viktor Stefan Goertz (Arzt), Karl Winter, Hubert Mann, Hans Bartels (drei Schmuggler), Dietrich Thoms (Menke), Abbas Magh Furian (Iranischer Polizeileutnant), Robert Brückner (Baudrexl) und anderen, Szenenbild: Alfred Buetow, Theo Zwierski und Alfons Windau, Kamera: Walter H. Schmitt, Jochen Maas und Rüdiger Walch, Schnitt: Marianne Gerhardt, Regie-Assistenz: Elly Rauch, Kostüme: Ingrid Bütow, Aufnahmeleitung: Gustl Lautenbacher, Karlheinz Först und Karlheinz Hornung, Herstellungsleitung: Walter Pindter, Drehbuch und Regie: Fritz Umgelter Winter 1951/52. Mehr als zwei Jahre ist Clemens Forell nun schon unterwegs, fast hat er sein Ziel aus den Augen verloren. Er ist wie ein streunender Hund, stiehlt, was er braucht – er ist inzwischen so am Boden, dass er nicht nur aus Not stiehlt, sondern an einem diabolischen Vergnügen am Diebstahl. Doch die Güte der Menschen, die er so missbraucht, verlässt ihn nicht. Eines Tages erhält er Hilfe von einer Seite, von der er es am wenigsten erwartet hätte. Igor, ein armenischer Jude und russischer Widerstandskämpfer, ist ein selbstloser Mensch und liest Forell auf der Straße auf, nimmt ihn mit heim und reißt ihn aus seiner Schwermütigkeit. Schließlich macht er sich wieder auf den Weg, ein Sommer und ein Winter vergehen und endlich schafft er mit Hilfe von drei Schmugglern den Sprung über die iranische Grenze am Fluss Aras. Doch noch ist er nicht in Freiheit. Er wird wieder eingesperrt von den Persern, für die jeder, der die Grenze überschreitet, ein Spion ist ... Hörzu 19/1959 schrieb in ihrer Kritik: Fritz Umgelters Fernseh-Film "So weit die Füße tragen" ist nach vierhundert Minuten Spieldauer zu Ende gegangen. Er hatte mit einer grandiosen Ouvertüre und mit einem eindrucksvollen ersten Akt begonnen; dann schleppte er sich mühsam über die Runden, die Füße ermüdeten. Der letzte Akt brachte eine Steigerung zum Furioso, eine verzweifelte Anstrengung des Regisseurs, im Galopp das Ziel zu erreichen. Umgelter wollte erzählen, er wollte Josef Martin Bauers Buch Seite um Seite vor dem Zuschauer aufschlagen. Er tat es mit größter Akribie. Er übersah, dass er damit nicht nur die Stärken, sondern auch die Schwächen des Buches übernahm. Er übersah, dass die große Einsamkeit des Menschen Forell, dieses winzige Pünktchen Mensch in der unendlichen Schneewüste Sibiriens, wohl einige Kapitel Roman, aber keine Folge des Films ausfüllen konnte. Und da er sich mit Verlauf des Films seiner Eselsbrücke, des Vorlesers, nicht mehr erinnerte, die ihm in den ersten beiden Folgen so gute und durchaus akzeptable Dienste geleistet hatte, glitt er streckenweise in die Kolportage, ins Karl-May-Klischee ab. Der entscheidende Fehler lag unseres Erachtens schon in der Disposition. Man lebte von der Hand in den Mund; vier Folgen waren schon gesendet, bevor die Dreharbeiten abgeschlossen wurden. Daher die Stilbrüche, die ermüdenden Längen der dritten, vierten und fünften Folge, daher die hektische Eile der sechsten, daher das Fehlen eines echten Abschlusses, der Begegnung Forells mit der Heimat, die im Buch in einem knappen, aber bedeutungsvollen Anhang geschildert ist. Wie leicht hätte das vermieden werden können, wenn man sich Zeit gelassen hätte! Wenn Fritz Umgelter in Ruhe den Film abgedreht, das Material gesichtet und nach vernünftigen Maßstäben geschnitten hätte! Es wäre zu wünschen, dass der NWRV Köln das Versäumte vor der angekündigten Wiederholung des Films nachholt. Das Milieu war zum Teil verblüffend echt; zum Teil roch es nach Pappe und Kleister. Chargen und Komparserie waren durchweg gut ausgewählt. Heinz Weiß entsprach nicht ganz der Vorstellung, die sich der Leser von dem echten Forell gemacht hatte. Die stärkste Leistung des ganzen Films hat zweifellos Wolfgang Büttner als Lagerarzt Dr. Stauffer gezeigt. Den Beweis, dass das Fernsehen ein geeignetes Medium ist, Filme in Fortsetzungen über viele Wochen zu zeigen hat auch dieser zweite Versuch nicht erbracht. Wir meinen, die Verantwortlichen sollten ihr Heil nicht auf diesem Gebiet suchen, sondern sie sollten sich mehr auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren. Die aber heißt nicht Film, sondern Fern-Sehen, nicht Konserve, sondern Aktualität Hörzu 19/1959, Leserbriefe: Nachdem dieser Fernsehfilm beendet ist, möchte ich dem WDR meinen besten Dank sagen. Der Film war – bis auf einige Szenen – sehr gut und echt gemacht. Ich war in russischer Gefangenschaft, und die schon halb vergessenen Eindrücke waren wieder da, als sei es gestern gewesen; – Gut – aber um zwei Folgen zu lang und deshalb zeitweilig langweilig. Bei einer Wiederholung sollte man vier Folgen daraus machen. Alles in allem: ein sehr guter Film, der es wert ist, wiederholt zu werden Gong 19/1959 schrieb in seiner Kritik: Endlich hat es der Flüchtling Forell geschafft. Mit unerwarteten Verzögerungsmomenten, mit einer letzten dramatischen Wendung und einem unpathetischen, für viele vielleicht enttäuschenden Schluss endete die letzte Folge des bisher größten deutschen Fernsehfilms, mit den nicht nur Regisseur Fritz Umgelter, sondern auch seine Darsteller und Kameraleute runde und unübersehbare Pluspunkte für sich buchen konnten. Wie Umgelter bei einer abschließenden Pressekonferenz verriet, hat man bei den Dreharbeiten etwa vier Fünftel dessen einsparen können, was ein normaler Spielfilm im gleichen Umfang gekostet hätte. Und das ist – gemessen am optischen Aufwand, der bei den im Atelier gedrehten Straßenszenen des letzten Teils besonders imponierend wirkte – ein erstaunlicher Beweis für die Leistungsfähigkeit des Fernsehens, der auch der Filmindustrie zu denken geben sollte. Umgelter hat, wie er nachher verriet, den Versuch unternommen, mit jeder Folge einen etwas anderen Zuschauerkreis anzusprechen. Über ein solches Experiment kann man geteilter Meinung sein. Gottseidank gelang es ihm nur in der dritten und in den ersten Teilen der vierten Folge, unter seinem eigenen Niveau zu bleiben. Dann rissen ihn die Möglichkeiten, die das Thema bot, wieder nach oben, und mit ihm konnten die Kameraleute aufatmen, die dem Fernsehfilm mit ihren weiträumigen Aufnahmen eine neue Dimension erschlossen. Rückblickend lässt sich sagen, dass die erste wie auch die fünfte Folge wohl die stärksten Eindrücke hinterließen. "So weit die Füße tragen" wurde für die junge Geschichte des Deutschen Fernsehens ein erstrangiges Ereignis, das es verdient, durch die geplante Wiederholung noch einmal in Erinnerung gebracht zu werden Gong 19/1959, Leserbrief: Es scheint fast unglaublich zu sein, was dieser Flüchtling Forell alles erlebt hat. Hält sich der Bericht wirklich an die Tatsachen? Mir ist nicht klar, weshalb Forell in Persien keine Möglichkeit hatte, sich an die deutsche Botschaft zu wenden Hören & Sehen 20/1959 schrieb in ihrer Kritik: Oberleutnant Forell hat nach sechs mehr oder minder spannenden Folgen endlich sein Ziel erreicht. Der Fernsehfilm "So weit die Füße tragen" ist – insgesamt gesehen – ein anerkennenswerter Versuch, Probleme, die uns einmal "unter die Haut" gingen, optisch wirksam zu gestalten. War eine der Folgen nicht so ganz geglückt, sah man unter diesem Gesichtspunkt gern über Mängel hinweg. Schade nur, dass Regisseur Umgelter auf einer Pressekonferenz in München feststelle, die Folgen drei und vier seien beispielsweise auf eine für die breite Masse bestimmte simple Abenteuer-Story mit leicht sentimentalem Einschlag abgestellt gewesen. Schade auch, dass die Filmleute selbst den Teil vier als "Förster von Sibirien" bezeichnen. Wenn das Publikum bereit ist, Ernstes ernst zu nehmen, sollte man das von den Fernsehleuten auch erwarten dürfen. Dieser Abschied Nummer eins ist nur ein Abschied auf Zeit bis zum Herbst (NWRV)
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