| 17:00 |
Programmänderung Leichtathletik-Länderkampf Deutschland–Polen Übertragung aus Köln Sprecher: Gerd Mehl und Gerd Krämer Hörzu 40/1959 schrieb in ihrer Kritik: Eine der dankbarsten Fernseh-Aufgaben ist die Sportberichterstattung. Für den Bericht vom Leichtathletik-Länderkampf Deutschland–Polen (Leitung: Hugo Murero) wird Köln allerdings wenig Dank ernten. Sie war hanebüchen. Es ist unfassbar, wie schlecht die Kameras eingesetzt wurden, wieviel Pannen und Namensverwechslungen selbst sonst so versierten Sprechern wie Gerd Mehl und Gerd Krämer unterliefen!  Anmerkung: Genauer Ablauf des Nachmittagsprogramms unklar, ursprünglich ab 17:00 Uhr vorgesehen: "Der Untergang des Fort Charivari" (zum Teil in damaligen Programminformationen als "Der Untergang des Forts Charivari" angekündigt), eine Parodie auf Wildwestfilme und Ferienreisen, dargestellt am Nord-Süd-Problem von Kurt Wilhelm, Personen und Darsteller: die Nordländer (New Hannoveraner): Uta-Henriette von Staupe-Knackwitz (Wera Frydtberg), ihr Vater (Erik Jelde), Generalfeldsheriff (Carl Simon) und von Blankwitz (Wilmut Borell); die Südländer (New Plattlinger): der alte Treegardener (Franz Fröhlich), Girgl (Hans Reiser), Hansl (Ulrich Beiger), Grenzer (Paul Kürzinger) und Zollbeamter (Albert Spenger), Szenenbild: Walter Dörfler, Regie: Kurt Wilhelm, eine Munich-Freeman-Monster-Production im Tele-William-Vision-System, die freie Handlung wurde von freien Autoren mit freien Personen erfunden. Wer Spaß an Parodien und saftig-reifen "Pflaumen" hat, wird viel Freude daran haben. Diesmal wandert Charivari in den Wilden Westen und zeigt Gegensätzliches von den Bewohnern eines nördlichen und eines südlichen Staates ..., ARD-Erstsendung: 07.07.1956 (– 18:30 Uhr / BR), auf den 17.10.1959 verschoben, Gong 41/1959, Leserbrief: Ich finde es empörend, dass jetzt schon zweimal hintereinander zugunsten von Sportveranstaltungen Wochenend-Nachmittagsprogramme einfach verschoben wurden. Das letzte war der Film "Das seltsame Leben des Herrn Bruggs" (Anm.: morgen). Es ist eine Rücksichtslosigkeit gegenüber den Fernsehzuschauern, die an Sportereignissen nicht so sehr interessiert sind. Entweder soll man dann auf die Übertragung verzichten, oder aber rechtzeitig darauf aufmerksam machen, und zwar schon einige Tage vorher. Schließlich werden Länderwettkämpfe ja nicht von heute auf morgen festgesetzt
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| 20:00 |
Nachrichten, Tagesschau Leitung: Martin S. Svoboda Hörzu 40/1959 schrieb in ihrer (allgemeinen) Kritik: Gäbe es einen Preis für die jeweils beste Leistung der Woche, er stände der Tagesschau zu. Immer schon aktuell, quick und den Ereignissen dicht auf den Fersen, übertraf sie sich diesmal selber. Sie holte über Toronto, Transatlantikkabel und London einen Kurzbericht von Chruschtschows Ankunft in den USA auf den Bildschirm ; sie telefonierte mit Peter von Zahn in Washington und ließ den Besuch des russischen Ministerpräsidenten kommentieren; sie schaltete sich in eine Direkt-Übertragung des französischen Fernsehens ein und ermöglichte unsere Teilnahme an der Algerien-Erklärung General de Gaulles; sie vermittelte schließlich ein anschauliches Bild vom Wechsel im Bundespräsidentenamt Hörzu 40/1959, Leserbrief: Besonderes Lob muss den Tagesschau-Berichten in der Woche vom 13. bis zum 19. Sept. gezollt werden. Wir sind schnell und umfassend über die großen Ereignisse informiert worden, wobei technisch wahre Meisterleistungen vollbracht wurden Hören & Sehen 41/1959 schrieb in ihrer Kritik: Fernsehen wird immer wieder dann zum Abenteuer, wenn es ganz aktuell ist. Die deutschen Sender gaben sich redliche Mühe, soviel wie möglich von dem roten "Zaren" auf seiner Amerikareise einzufangen. Besonders eindrucksvoll war der Bericht von Peter von Zahn über den Empfang Chruschtschows Gong 41/1959, Leserbrief: Mit dem Bericht über die Reise Chruschtschows war das Fernsehen wieder mal sehr aktuell. Vor allem hat mir imponiert, den über das Telefonkabel übertragenen Bericht zu sehen. Es ist erstaunlich, was man heute bereits alles machen kann Hörzu 40/1959, Leserbrief betreff "Nachrichten der Tagesschau": Die schon seit einiger Zeit laufende Nachrichtensendung in Verbindung mit der Tagesschau ist eine gute Einrichtung. Sie muss aber noch besser gestaltet werden. Ich empfehle ein Namensschild vor dem Mikrofon, damit man weiß, wer die Nachrichten spricht, und nicht einer anonymen Person gegenübersitzt. Es wäre auch zu begrüßen, wenn der Sprecher die Meldungen nicht einfach abläse, sondern mehr in die Kamera blickte. Fernsehen ist eben kein Rundfunk; Antwort "HÖR ZU"-Redaktion: Ähnliche Leserstimmen sind uns schon oft zugegangen. Gestatten Sie uns eine Stellungnahme dazu: "Ansager(-innen) und Sprecher(-innen) haben doch nur eine wiedergebende Funktion. Man sollte ihre Bedeutung also nicht überschätzen und nicht mehr Aufhebens von ihnen machen, als vernünftig ist. Außerdem: Nachrichten sind sehr wichtige Mitteilungen. Oft kommt es dabei auf kleine Nuancen an. Sie aber kann man nicht dem Sprecher überlassen. Er m u s s sie ablesen. Man könnte natürlich den Text dem Sprecher gegenüber auf die Wand projizieren, so dass er ihn von dort nur abzulesen brauchte und der Zuschauer den Eindruck hätte, er spräche das alles aus dem Kopf. Auf diese Weise würde man den Sprecher zu einem "Gehirnakrobaten" mogeln. Das kann und darf nicht die Absicht des Fernsehens sein. Aus diesem Grunde halten wir es für richtig, dass man nicht so tut als ob, sondern bei der Wahrheit bleibt und den Sprecher seinen Text ablesen lässt
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| 20:20 |
Alt-Heidelberg Volksstück in fünf Akten von Wilhelm Meyer-Förster, Personen und Darsteller: Karl Heinz (Götz von Langheim), Käthie (Steffy Helmar), Dr. Jüttner (Hannes Schütz), Lutz, Kammerdiener (Heinz Rabe), Staatsminister (Herbert Schimkat), Hofmarschall (Albrecht Goetz), von Metzing (Andreas Dahlmeyer), von Breitenbach (Rudolf Siege), von Asterberg (Alf Reigl), Karl Bilz (Rolf Kreiser), Kurt Engelbrecht (Josef Meinertzhagen), von Wedell (Helmuth Lex), Rüder, Gastwirt (Rolf Hübner), Frau Rüder (Elfriede Huber), Frau Dörffel (Annette Roland), Kellermann (Horst Werner Loos), Schölermann (Ludwig Göttl), Glanz (Hansgeorg Eder), Bühnenbild: Heinz Küpferle, Inszenierung: Hannes Tannert Übertragung aus dem Theater der Stadt Baden-Baden Erbprinz Karl Heinrich von Sachsen-Karlsburg darf auf Beschluss seines gestrengen Oheims, des regierenden Fürsten, und in Begleitung seines Lehrers Dr. Jüttner und seines Kammerdieners Lutz in Heidelberg einem Studium nachgehen. Schnell lebt er sich ein, genießt das Studentenleben und besonders die Gesellschaft der hübschen Käthie, Kellnerin des Gasthauses, in dem er untergekommen ist. Doch sein Glück ist nur von kurzer Dauer: nach weniger als einem Jahr wird er vom schwerkranken Fürsten zurückgerufen, um sich am Hof um wichtige Staatsgeschäfte zu kümmern ... Zwei Jahre später ist aus dem fröhlichen Studenten ein gesetzter Landesherr geworden, der bei einem Besuch an seiner alten Universität erkennen muss, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Nur Kellnerin Käthie ist die gleiche geblieben ... Gong 37/1959: Dass Alt-Heidelberg, dieses Schauspiel aus dem deutschen Korpsstudentenleben früherer Zeiten, einmal der größte Theatererfolg des 20. Jahrhunderts würde, hätten sich jene Schauspieler des Berliner Theaters, die während der Proben zur Uraufführung immer wieder bei der Direktion vorstellig wurden und um Aussetzung des Stückes baten, wohl kaum gedacht. Seitdem sind 58 Jahre vergangen, und immer noch steht "Alt-Heidelberg" auf den Spielplänen der Theater. Wie oft es inzwischen aufgeführt wurde, ist nicht mehr festzustellen. Immerhin hat man das Stück in 22 fremden Staaten gespielt, hat es umgeformt zu einer Oper, Operette und zu einem Musical, hat es mehrfach verfilmt; selbst eine Parodie blieb ihm nicht erspart. [...] Fragt man sich: Was macht den Erfolg dieses Stückes aus, von dessen Autor Wilhelm Meyer-Förster wir nur noch den Namen wissen? Ist es die Liebesgeschichte zwischen dem Prinzen und dem Mädchen aus dem Volke? Mag sein, dass diese Geschichte das Publikum so lange ergreifen kann, solange Hindernisse gesellschaftlicher Art imstande sein werden, sich zwischen zwei Menschen zu stellen Hörzu 40/1959 schrieb in ihrer Kritik: Wenige Tage später – seltsame Koordination! – gab es gleich noch ein Volksstück (Anm.: nach dem "Etappenhasen"): Baden-Baden weckte Wilhelm Meyer-Försters "Alt-Heidelberg" aus dem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf. Leider war Hannes Tannerts Inszenierung so handfest und vordergründig, dass sie die liebenswerte Romantik der Geschichte vom Erbprinzen und der Kellnerin nicht zum Klingen bringen konnte. Die Qualität des Bildes weckte zudem den Verdacht, dass es sich wieder einmal um eine Zelluloid-Konserve handelte, obwohl die Ansage das nicht wahrhaben wollte Gong 40/1959 schrieb in seiner Kritik: Wenn man "unserem" vom Intendanten des Baden-Badener Stadttheaters zitierten Dichter Zoff (er möge mir Fehler in der Schreibweise seines Namens verzeihen) glauben darf, so verdankt es das heutige, das gegenwärtige Heidelberg in erster Linie dem Autor Wilhelm Meyer-Förster, dass es im letzten Krieg nicht in Schutt und Asche sank. Und schon damit erweist dieses Stück, dass es sich normalen literarischen Maßstäben auf eigentümlichen Wegen entzieht. Der Kritiker, der sich unvermutet schwankenden Pappkulissen gegenübersah und Mitleid mit dem einsamen Erbprinzen Karl Heinz von Sachsen-Karlsburg empfand, kam überhaupt erst am folgenden Morgen – und zwar in der Straßenbahn – auf den Gedanken, dass er mit seiner Meinung über das Stück genauso einsam dastehen könnte wie besagter Karl Heinz. So also beschloss er, nichts über die schwankenden Pappkulissen und auch sonst nichts Ärgerniserregendes niederzuschrieben, sondern sich per Telefon umzuhören und die Meinungen über "Alt-Heidelberg" festzuhalten. Das Stück, so stellte er fest, hat nicht nur dem Theaterpublikum in Baden-Baden gefallen, und vor diesem fast einhelligen Urteil verblasst auch der von einer einzigen Stimme geäußerte Einwand, dass man sich die Käthie eigentlich blond vorzustellen habe. Lassen wir also die Kritik und fragen wir uns lieber, wie es kommt, dass dieses mit Plüsch beladene Stück auch heute noch sein Publikum anzusprechen vermag, eine Frage, mit der sich vor allem das Fernsehen selbst zu befassen hat, weil sie an die gesamte Programmstruktur rührt. Ohne Zweifel tritt hier ein echtes Bedürfnis nach gemütvollen, vom Hauch der Romantik verbrämten Stücken zutage, dem die moderne Dramenliteratur genausowenig gerecht zu werden vermag, wie das frivole Boulevardtheater. Gerade die Programme des Samstagabend sollten diesem Verlangen entgegenkommen und es – erlöst von den Tönen einer falschen Romantik – stärker als bisher durch sorgsam gepflegte, echte Volksstücke stillen Gong 40/1959, Leserbrief: Meine Studentenzeit ist schon so lange her, dass sie fast mit der Zeit des Stückes "Alt-Heidelberg" zusammenfallen könnte. Eins muss ich zur Ehrenrettung der Akademiker meines Jahrgangs allerdings sagen: ganz so albern wie da auf der Bühne in Baden-Baden haben wir uns doch nicht benommen! Mir ist völlig schleierhaft, was man mit der Wiederaufführung dieses Stückes bezweckte Hören & Sehen 41/1959 schrieb in ihrer Kritik: [...] Es war schon ganz gut, dass Intendant Tannert in der Pause eine Erklärung für diese Inszenierung gab. Seine Worte stimmten haargenau, und so nahm man "Alt-Heidelberg" als etwas Gewesenes hin, ohne sich Gedanken zu machen, ob es noch in das Heute passt. Der Autor hat sich redlich Mühe gegeben, die alte Burschenherrlichkeit mit ihren Licht- und Schattenseiten aufzuzeigen. Sein "Alt-Heidelberg" gehört zu den meistgespielten Theaterstücken der 20er Jahre, als das Gemüt noch groß geschrieben wurde Gong 41/1959, Leserbriefe: Gewiss: Alt-Heidelberg ist kein modernes Stück. Aber es geht doch sehr zu Herzen und ist gemütvoll. Gerade für den Samstagabend wünschen wir uns öfter solche Stücke; – Mir hat dieses Schauspiel von der Heidelberger Studentenliebe sehr gut gefallen. Auch der Besuch, der an diesem Abend zusah, war davon angerührt (SWF)
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